Der TSV Bietigheim, insbesondere die Handballabteilung, trauert um Rudolf „Rudi“ Werner, der für uns alle völlig überraschend im Alter von 81 Jahren verstorben ist.
1982 kam Rudi aus beruflichen Gründen von Salzgitter nach Bietigheim und schloss sich sofort unserer Handballabteilung an. Als ausgebildeter und aktiver Schiedsrichter war er eine große Bereicherung und uns herzlich willkommen.
In seinem Heimatverein in Niedersachsen hatte er bereits verschiedene Verwaltungsaufgaben übernommen. Dieses Engagement setzte er auch beim TSV fort. Seine beeindruckende Bilanz spricht für sich: Zwei Jahre war er Jugendleiter der Handballabteilung, zehn Jahre Leiter des Spielbetriebs und anschließend 24 Jahre Kassier der Abteilung beziehungsweise der SG.
Besonders hervorzuheben ist jedoch sein außergewöhnlicher Einsatz als Schiedsrichter. Insgesamt war er 36 Jahre für den TSV und später für die SG im gesamten Bezirk und darüber hinaus im Einsatz – zunächst noch auf dem Großfeld, später in den Sporthallen. Dabei war er stets als Einzelschiedsrichter unterwegs.
Als ich ihn in meiner Funktion als Schiedsrichterobmann einmal fragte, ob er sich nicht vorstellen könne, künftig im Gespann zu pfeifen, lehnte er mit einem Augenzwinkern ab. Seine Begründung lautete: „Da weiß ich wenigstens, dass ich für den Mist, den man mir vielleicht unterstellt, selbst verantwortlich bin.“
2008 beendete Rudi seine aktive Schiedsrichtertätigkeit. Doch auch danach war er noch viele Jahre bereit, Jugendspiele innerhalb der SG zu übernehmen und immer da, wenn er gebraucht wurde.
Auch beim Waldfest gehörte er über Jahrzehnte zu den verlässlichen Helfern. Zuletzt sorgten wir beide – die „alten Männer“ – beim Abbau gemeinsam dafür, dass der Wald sauberer verlassen wurde, als wir ihn einige Tage zuvor vorgefunden hatten. 2024 sagte er schließlich zu mir: „Jetzt brauchst du nicht mehr anzurufen. Mit 80 mache ich Schluss.“ Und dabei blieb es.
Rudi war einer der Stillen im Land. Obwohl kein Schwabe, hatte er sich die Mentalität seiner neuen Heimat ganz zu eigen gemacht. Sein Lebensmotto lautete: „Net schwätza, macha.“ Er drängte sich nie in den Vordergrund, suchte stets den Ausgleich, hörte aufmerksam zu und argumentierte ruhig, sachlich und überlegt.
Für sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet – vom Handballverband, von der Stadt Bietigheim-Bissingen und vom TSV, der in im Jahr 2018 aufgrund seiner großen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannte.
Nach dem überraschenden Tod seiner Frau Gertrud zog Rudi nach Freudental. Die gemeinsame Wohnung im Buch war ihm allein zu groß geworden. Dennoch blieb er dem Vereinsleben bis zuletzt eng verbunden. Er war regelmäßig bei Veranstaltungen und Versammlungen des Hauptvereins sowie der Handballabteilung und des Fördervereins anwesend – zuletzt noch bei der TSV-Hauptversammlung. Nichts deutete darauf hin, dass sein Leben so plötzlich enden würde.
Wir nehmen Abschied von einem Freund, der den Handball in Bietigheim-Bissingen, insbesondere beim TSV und der SG BBM, aber auch den Gesamtverein über Jahrzehnte hinweg mit großem Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit und Bescheidenheit mitgeprägt hat.
Lieber Rudi, wir danken Dir für alles, was Du für unseren Verein geleistet hast.
Ruhe in Frieden.
Rudolf (Jimmy) Sauerbrey